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Home Office mit Kind – geht das?

Wow! Jetzt geht’s rund!

Innerhalb weniger Tage müssen Firmen umdenken und schicken komplette Teams ins Homeoffice. Plötzlich müssen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, per Remote von zu Hause zu arbeiten. Wir sind als Software-Unternehmen sehr flexibel und haben schon bei der Gründung festgelegt, dass wir das Team komplett dezentral aufbauen. An dieser Stelle danke an meinen Mitgründer Urs für die Hartnäckigkeit 😉

Doch mein Team und ich müssen uns da gerade auch Gedanken machen, denn es geht in der aktuellen Situation nicht nur um Homeoffice, sondern auch um die Kinderbetreuung. Mein Mann und ich arbeiten zusammen in dem Start up. Und unser Sohn Henry, das jüngste Mitglied bei der MatchManao Ohana,, möchte bitte auch bespaßt werden. Wie kann also so eine Kinderbetreuung aussehen, wenn wir im Homeoffice eigentlich „arbeiten“ wollen?

Vor kurzem habe ich bei Twitter den Satz gelesen:

Wer Home Office vorschlägt, damit Eltern Kinder betreuen können, hat wohl weder Home Office noch Kinderbetreuung wirklich verstanden. (@phwampfler)

Diesem Satz stimme ich absolut zu. Klar ist es durch Homeoffice im ersten Moment einfacher, die Kinderbetreuung überhaupt unter einen Hut zu bekommen. Aber wie viel man da zum Arbeiten kommt, hängt von vielen Faktoren ab.

Darum nutze ich die Zeit des Mittagsschlafs, um kurz zu reflektieren, wie wir das jetzt machen wollen. Und wie wir das eigentlich am Anfang gemacht haben, denn das „Gründer-Mama-Da-Sein“ habe ich jetzt schon ein bisschen geübt und damals auch schon ohne Kita hinbekommen.

Hier meine Tipps zum Arbeiten
im Homeoffice mit Kind

(ohne das Kind dabei zu vernachlässigen, aber das versteht sich hoffentlich von selbst)

1) Aufgaben und Zeitfenster

Überlege dir deine Zeitfenster und teile dir deine Aufgaben entsprechend ein.

Welche Aufgaben habe ich heute auf dem Zettel und wann kann ich das jeweils machen? Welche Hilfsmittel brauche ich dafür und wie viel Aufmerksamkeit? Was kann vielleicht nebenbei laufen?

Die Mails kann ich lesen, während die Nudeln kochen. Die Präsentation mache ich am Rechner, wenn das Kind schläft. Und die neuen Arbeitsverträge lasse ich mir von Siri vorlesen, während ich einen Spaziergang mache, klappt übrigens super. Widerspricht das nicht allen Achtsamkeitsregeln, die man liest? Ja, teilweise schon. Aber durch meine Fokuszeiten, (siehe Punkt fünf), bin ich in den meisten Momenten voll in der Situation.

2) Gebe (Teil-)Aufgaben ab

Ich musste lernen, Aufgaben abzugeben. Klingt gar nicht so schwer, wie es ist. (Ich oute mich hier als kleiner Kontrollfreak). Aber ich meine nicht nur komplette Aufgaben, sondern auch Teilbereiche. Welche Art von Aufgaben fällt mir gerade leicht und wobei tue ich mir schwer? Sprich ganz offen mit deinen Kollegen und teilt euch so ein, dass jeder in seinem Flow arbeiten kann. Der eine Kollege fängt mit etwas an, du übernimmst einen anderen Teil und zusammen schafft ihr ein Ergebnis, das keiner von euch alleine bewerkstelligt hätte.

Mein Team und vor allem mein Mitgründer, haben mich da von Anfang an sehr gut unterstützt. Wir haben schon nach Henrys Geburt ganz offen darüber gesprochen, was geht und was nicht. Ich kann zum Beispiel mit Kind zuhause sehr gut zwischen einzelnen Tasks springen. Wir haben das bei MatchManao so aufgeteilt, dass ich die Aufgaben übernehme, bei denen ich schnell von einem Thema zum anderen springen muss. Durch Henry muss ich damit rechnen, dass jede Minute etwas Unvorhersehbares passieren könnte, daher kann ich eine Vielzahl kleiner Aufgaben übernehmen.

Ich beantworte Mails, erstelle Marketing-Unterlagen, mache Einzelaufgaben der anderen, die sie eher in ihrem Fokus blockieren würden. Dafür macht Urs den kompletten 16-seitigen Finanzplan mit allen Formeln und Querverbindungen. Um mich in so etwas rein zu fuchsen, fehlt mir mit Kind zuhause einfach die Zeit. Es geht nämlich nicht darum, die vollen acht Stunden unterzubekommen, sondern wie viel davon du ununterbrochen an etwas arbeiten kannst.

3) Arbeite fokussiert, konzentriert und effizient

Wenn die Zeit da ist, dann sortiere dich und leg los. Dann arbeitest du wirklich konzentriert an den Aufgaben und bist meist deutlich effizienter als im Büro. Du weißt, was du jetzt tun willst und kommst in deinen „Tunnel“. Vermeide alle Ablenkungen, leg das Handy weg, stelle Benachrichtigungen aus und schau dir nicht den Wäscheberg an. Im Büro machst du auch keine Wäsche. Schreib dir deine Aufgaben auf einen Zettel und hake alles ab, wenn du es geschafft hast.

4) Fokuszeiten für die Arbeit und fürs Kind

Setze dir Zeiten, in denen du arbeitest und Zeiten, in denen du voll beim Kind bist. Sonst bist du halb da und halb dort, und nirgends wirklich – das ist auf Dauer nicht befriedigend.

Bei der Geburt habe ich mir selbst Regeln aufgestellt, um das Arbeiten mit Kind für uns beide so gut wie möglich zu organisieren. Dazu gehört, dass mein Kind nicht die ganze Zeit sehen muss, wie ich mit einem Auge auf das Handy schaue. Also habe ich mir ganz bewusst Arbeitsblöcke gesetzt. In dieser Zeit habe ich gearbeitet und Henry hat gelernt, sich selbst zu beschäftigen. Für mich war das selbstverständlich, aber bei anderen Familien ist mir erst aufgefallen, wie gut das bei uns geklappt hat. Ich weiß nicht, ob es Glück war oder ob es unser Umgang damit war, aber es ist sehr wertvoll.

Und in der Henry-Zeit bin ich dann voll für ihn da. Da schaue ich nicht auf Instagram, surfe nicht herum, bin nicht in Whatsapp oder Sonstiges. Da verdient er dann meine volle Aufmerksamkeit und ich kann abschalten.

Dann gibt es noch die allgemeine Zeit, in der dann natürlich mal beides nebenher läuft. Wenn sich das Kind auf etwas anderes konzentriert und viel Ablenkung hat, dann kann ich auch zwischendurch Mails beantworten oder einen Video-Call machen. (Siehe Punkt eins.)

5) Und was macht das Kind, während ich arbeite?

Das kommt ganz drauf an und kann bestimmt nicht pauschalisiert werden. Und es kommt auch immer auf die jeweilige Phase an. Henry schaut gerade sehr gerne Bücher an oder malt und kann das sehr gut alleine genießen. Da muss ich dann nur immer mal wieder prüfen, ob der Stift noch auf dem Blatt ist oder schon an der Wand.

Aber tatsächlich nutze ich die Schlafzeiten effektiv aus. Ich kann mich auch nachts gut konzentrieren und sammle dafür tagsüber Energie, wenn ich meinem gut gelaunten Kind beim Spielen zuschaue. Das geht nicht immer und bestimmt auch nicht für so eine lange Zeit, aber wenn jeder seine Fokuszeiten kennt, dann kann man sich das entsprechend einteilen.

Mein Mann und ich haben uns für die kommenden Wochen diesen Plan ausgearbeitet: Er arbeitet früh morgens und ich kümmere mich um Henry. Ab nachmittags drehen wir den Spieß um. Dann kochen wir gemeinsam und haben ein bisschen Familienzeit. Dann geht der kleine Mann ins Bett und wir arbeiten beide noch. Da sind wir flexibel und müssen das auch ein bisschen an die Aufgaben anpassen. Wir kennen unsere Konzentrationsphasen und können uns da entsprechend danach richten.

Ich höre immer wieder, dass Eltern mehr Aufgaben in kürzerer Zeit schaffen, und davon bin ich überzeugt. Vielleicht sortieren wir unsere Gedanken schon beim Füttern und können dadurch gezielter vorgehen. Oder wir haben einfach keine Zeit für unnötigen Quatsch. Egal was der Grund ist, wir sollten es genießen und stolz darauf sein.

Allgemeine Regeln für Homeoffice

Das Wichtigste, das ich in den drei Jahren als Freelancer im Homeoffice gelernt habe: Zieh dich an, als wenn du zur Arbeit gehst. Du arbeitest einfach anders, wenn du eine Jogginghose an hast. Steh auf, mach dich ganz normal fertig, trink einen Kaffee, setz dich noch mal kurz ins Wohnzimmer. Und dann geh ganz bewusst an deinen Rechner und leg los. Das ist dein Arbeitsweg und den solltest du auch durch irgendein Ritual ganz bewusst erleben.

1) Rede mit deinem Team! 

Es gibt Menschen, die wollen einfach in Ruhe vor sich hinarbeiten. Andere, die brauchen immer den aktuellen Status, sonst werden sie nervös. Wenn alle Kollegen im Office sind, dann wird das mal schnell zwischen Tür und Angel wahrgenommen. Remote geht das nicht. Daher ist eine Grundregel bei einem Remote-Team: Gute Kommunikation! Und das bedeutet sogar mehr Kommunikation als im Büro.

Wir haben zum Beispiel jeden Morgen ein Video-StandUp-Meeting, das MatchManao Halawai. Dabei geht es darum, uns kurz mit allen abzustimmen und zu sagen, wie es jedem geht, was jeder gestern geschafft hat und was bei jedem heute ansteht.

2) Arbeitszeiten abstimmen

Wann arbeitet wer? Wann ist wer erreichbar? Als erstes fällt im Homeoffice schon mal das nervige Pendeln weg. Das heißt, dass Kollege A vielleicht eine Stunde früher loslegen will als sonst. Ich bin zum Beispiel jemand, der sehr gerne abends und nachts arbeitet. Wenn mein Team das weiß, dann können wir das entsprechend planen. Wir haben um 13.00 Uhr noch ein gemeinsames Teammeeting, dann ist Kind-Zeit und dann arbeite ich abends bis 2.00 Uhr konzentriert, während meine Familie schläft.

3) Kenne dein Team

Wem fällt was leicht, wem fällt was schwer? Wie möchte jeder für sich arbeiten? Was ist jedem Einzelnen besonders wichtig? Es sollte in einem Team essenziell sein, dass sich das Team so gut kennt und auch öffnet, dass es sich „blind“ versteht. Zwischen Tür und Angel ist es leichter, die Stimmungen zu erkennen. Wenn mein Team aber remote ist, dann ist es sehr wichtig, dass ich weiß, wie jeder behandelt werden möchte und was jedem wichtig ist.

4) Habe ein gut funktionierendes Team

Das sollte klar sein, aber wir führen es lieber trotzdem auf: Gerade wenn alle remote arbeiten und alle heißen Tools aus New Work angewendet werden, ist ein gutes Team die Basis!

  • Ein Team, bei dem sich jeder seiner Rolle bewusst ist und diese sich ergänzen. Mehr zu den Rollen in einem Team?
  • Ein Team, bei dem die Fähigkeiten aufeinander einzahlen.
  • Ein Team, bei dem sich die Werte gegenseitig unterstützen.
  • Ein Team, das auf den ersten Blick komplett unterschiedlich ist, aber gerade dadurch wirklicher Flow entsteht.

Das sind die entscheidenden Punkte, warum wir MatchManao gegründet haben. Seit vier Jahren forschen und entwickeln wir an Team-Design. Wir wünschen uns und euch Teams, die einfach in ihrem Flow sind. Teams, die gut arbeiten, sich gegenseitig schätzen und gegenseitig fördern. Teams, die ihr Manao* gefunden haben.

Damit das funktioniert, starten wir jetzt unsere Open Beta zum Thema Team Design. Gerade jetzt verstehen viele erst, wie wichtig gut eingespielte Teams sind.

Wir müssen jetzt alle zusammenrücken und uns gegenseitig wertschätzen. Dieses Zusammenrücken müssen wir digital und über die Distanz des Homeoffice schaffen. Vor uns liegt eine riesige Aufgabe! Wir sind überzeugt, dass wir alle diese Aufgabe meistern werden, wenn wir das richtige Team an unserer Seite haben.

Mehr dazu? Wie sich die Arbeitswelt durch Remote Work ändert


Foto von Shitota Yuri auf Unsplash

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