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Werte in einem Team

Die Situation ändert sich, ein neuer Akteur betritt die Fläche, neue (Macht)Verhältnisse stellen sich ein – und mit ihnen unter anderem folgende Fragen: Was ist richtig, was falsch? Was will ich? Was wollen die Anderen? Gibt es ein Wir? Was verlangt mein Umfeld jetzt von mir und muss sich etwas verändern? Wofür? Was ist der Wert? All das könnten Fragen der Charaktere sein, die sich in einer spanischen Banknotendruckerei eingenistet haben – oder Deine. Klingt irgendwie komisch? Ist aber irgendwie so.

Ob bewusst oder unbewusst, wir alle kennen diese Situationen in denen wir auf Sicht- und Verhaltensweisen stoßen, die unsere Werte auf den Prüfstand stellen und dazu führen, dass wir uns selbst hinterfragen. Oft scheinen diese Divergenzen unvereinbar zu sein, die Werteeinstellungen zu verschieden. Doch genau diese unterschiedlichen Weltanschauungen haben einen Nenner, der sie in Einklang miteinander und in Kontrast zueinander stellt. Der sie sichtbar, nachvollziehbar und verständlich macht. Einen Nennen, der sie unter einem Dach zu bringt: das Haus der Werte, eingeteilt in 9 Stockwerke.

Was sind (richtige) Werte?

Die Antwort auf diese Frage gibt uns in der heutigen, komplexen Gesellschaft keine Zahl mehr. Die Arbeitswelt ist zu divers geworden. Sie lebt einerseits von der Globalisierung andererseits muss sie Platz für die Individualisten unter uns schaffen und unterschiedlichste Generationen miteinander vereinen: Ein Spagat, der eine neue Form der Zusammenarbeit erfordert – eine, die auf persönlichen Werten basiert. Werte sind dabei als ein konzeptionelles Modell, sogenannte Memen, zu verstehen. Sie enthalten Bewusstseinsinhalte, Weltanschauungen und Bewertungen, die wir bestimmten Dingen, Sachverhalten und anderen Menschen zu ordnen. Dadurch leiten sie unser Denken und unser Handeln und helfen uns, unseren Platz innerhalb des Ökosystems zu finden. Diese individuelle Weltanschauung, die durch Werte entsteht, lässt folglich auch Realitäten für jeden von uns anders aussehen und führt dazu, dass wir uns in bestimmten Situationen unterschiedlich verhalten.

„Was sind (richtige) Werte?“ ist dementsprechend keine Frage, die durch eine externe, kollektive Übereinstimmung, was richtig oder falsch ist, beantwortet werden kann. Der „richtige“ Wert ist das, was jeder Einzelne in einem bestimmten Setting für passend ansieht – für sich individuell.

Wie aber nun effizient und gut zusammenarbeiten, in einer solch heterogenen Welt in der Jeder sein eigenes Bild der Realität hat?

Wertesystem Inventare, die auf den Forschungen des US-amerikanischen Psychologen Clare W. Graves basieren, geben eine Antwort darauf und setzen dabei auf die Frage der Wertigkeit:

  • Welche Werte hast Du?
  • Welche Werte haben Deine Kollegen?
  • Welche Werte hat Deine Organisation?

Um diese Werte einordnen und greifbar machen zu können, bedient sich ihre systematische Ordnung einer Hausanalogie. Auf insgesamt 9 Stockwerken verteilen sich unterschiedliche Werte-Ebenen, die – ganz ohne Aufzug – alle durchlaufen werden, Stufe für Stufe, von Jedem, situationsabhängig. In ihren Grundzügen lassen sich zwei Kategorien unterscheiden: Ich und Wir. Die Ich-Memen fordern die Unterordnung ihrer Umgebung. Diese hat sich dem Individuum oder auch der Gruppe anzupassen. Die Werte-Ebenen der Wir-Kategorien hingegen setzen den Fokus auf die äußere Welt und die Akzeptanz der vorherrschenden Realität, in der sich der Mensch anzupassen hat. Je nach Teamzusammensetzung, neuen externen Faktoren und daraus resultierenden erforderlichen Veränderungen, kippt die Notwendigkeit für eine Ich- oder Wir-Einstellung, wie ein Pendel, von Stockwerk zu Stockwerk.

Neben dieser Zweiteilung folgen die Werteinventare zwar auch einem Ansatz, der die Stockwerke aufeinander aufbaut und jedes bereits durchlaufene Werte-Level im nächsten integriert, jedoch unterliegt sie keiner hierarchischen Struktur. So ist das sechste Werte-Level nicht besser als die Werte-Ebenen der vorangegangen Stockwerke – es ist lediglich für eine bestimmte Person, in einer entsprechenden Situation der „richtige“ Wert.

Ein Treppenlauf – das verbirgt sich auf den Stockwerken.

Werfen wir nun einen Blick auf die unterschiedlichen Werte-Level, vom ersten bis zum neunten Stock, von beige zu koralle.

  • Beige: als erstes Ich-Level prägt uns dieser Wert seit Anbeginn der Menschheit, denn sein oberstes Ziel ist das Überleben. Archaisch und instinktiv handelnd sorgt er dafür, dass wir fortbestehen. Dieser Typ spielt im Unternehmenskontext keine tragende Rolle.
  • Purpur: was beige auf der Ich-Seite ist, ist Purpur auf der Wir-Seite: der erste seiner Art. Patriarchalismus, das Ausführen von Ritualen, das starke Bewusstsein für Tradition und das Forcieren des Zusammenhalts untereinander prägen dieses Werte-Level. Themen wie Zugehörigkeit, Sinnstiftung und das Erleben der eigenen Organisation sind für diesen Werte-Typ essenzielle Bereiche.

Möchte sich der Mensch der purpurfarbenen Werte-Kategorie fortbewegen – weg von äußeren Ritual-Einflüssen hin zu mehr Selbstbestimmung – so steigt er die nächsten Stufen hinauf und gelangt in das nächste Ich-Stockwerk.

  • Rot: Dieser Typus definiert sich über Kraft, Energie und einen Kampfeswillen. Sein Ziel klar im Blick verfolgt er nur eine Regel: Gewinnen um jeden Preis. Für stark zahlen- und vertriebsorientierte Umgebungen, ist eine solche Werte-Einstellung durchaus von Vorteil.

Wenn sich dieser zielstrebige Aktionismus der Erkenntnis unterwirft, dass allgemeingültige Regeln und äußere Strukturen zu mehr Erfolg führen und nun angemessen sind, geht es weiter treppauf

  • Blau: Verlässlichkeit und Funktionalität werden durch Struktur, Ordnung und Gesetzmäßigkeiten gewährleistet. Die Prozesse sind „sauber“ und klar. Gerne ziehen „typisch deutsche“ Unternehmen in eine solche Werte-Ebene ein.

Zu viel Erfolg durch Struktur, kann diese Gattung unflexibel wirken lassen. Solch etablierte, lang aufgebaute Strukturen sind dabei per se nicht schlecht, wenn allerdings Dynamik und rapide Entwicklungen, durch veränderte Gegebenheiten, erforderlich sind, geht es auch für den blauen Werte-Charakter in das nächste Stockwerk.

  • Orange: dieses Werte-Level nutzt sein energetisches Umfeld, um zielorientiert und impulsiv voran zu kommen. Oft wird in diesem Zusammenhang auch von dem sogenannten „Driver-Seat“ gesprochen. Ein entsprechender Archetyp übernimmt Verantwortung und wird gern als „Unternehmer im Unternehmen“ eingesetzt.

Ein solch proaktiv agierender Unternehmergeist ist gut, kann in bestimmten Situationen jedoch auch als störend wahrgenommen werden. Wird eine eine solche Entwicklung realisiert, gilt es das nächste Wir-Level anzustreben, um den gemeinschaftlichen Team-Erfolg zu fokussieren.

  • Grün: setzt auf Harmonie, Kooperation und Empathie durch aktives Zuhören. Das gemeinsame Aufbauen einer gemeinen Sache steht im Vordergrund und alle Beteiligten werden miteinbezogen. Entscheidungen werden häufig basisdemokratisch getroffen, was den Zusammenhalt stärkt, in zeitkritischen Phasen jedoch hinderlich sein können, da sie sehr zeitintensiv sind. Wenn sich solche Engpässe auftun, gilt es eine neue Werte-Anschauung einzunehmen.

Die skizzierten Werte-Level von eins bis sechs stehen für das „erste-Rang Denken“ und stellen, innerhalb des Werte-Hauses, die Bedürfnisbefriedigung in den Fokus der Weltvorstellungen. Attribute wie Macht, das Erlangen einer bestimmten Führungsposition, Egozentrik aber auch das Streben nach einer Ordnung, Struktur und einem auf konsistenzbasierendem Miteinander stehen bei diesen Bedarfen im Vordergrund. Damit stellen sie für viele Unternehmen einen essentiellen Baustein dar, da sie Stabilität bringen und somit den täglichen Betrieb garantieren und die Organisation wirtschaftlich und effizient agieren lassen.

Diese hierarchisch-organisierte Sichtweise der ersten sechs Werte-Level erweitert sich, mit Erreichen der nächsten Ebene, um das Denken in Verbindungen und Netzwerken. Eine „Seinbefriedigung“ tritt an die Oberfläche. Sie lässt übergeordnete Zusammenhänge zwischen den Memen und der individuellen Werte-Welten erkennen und begreifen.

  • Gelb: die erste Phase des „zweite-Rank Denkens“ versucht, auf der Suche nach allen vorhandenen Informationen, verschiedene Perspektiven zu betrachten und zu berücksichtigen. Dabei werden Individualität und Widersprüche als befruchtend wahrgenommen und nicht versucht sie zu unterbinden oder auszugleichen. Auf diese Weise entsteht Neues. Wissen sowie Kompetenzen treten an die Stelle von Macht oder Gruppenzugehörigkeit.

Ein zu intensiver Fokus auf alle Informationseinheiten und die Disruptivität der Individualisten, kann dazu führen die nächsten Treppenstufen zu nehmen und erneut den Fokus auf das Wir zulegen.

  • Türkis: Das Big Picture, das Nutzen von Schwarmintelligenzen sowie holistisches Denken, stehen im Vordergrund. Probleme werden ganzheitlich gelöst mit dem Wissen, dass nie alle Informationen zur Verfügung stehen werden. Durch die Fusion von Themen und Personen kann jedoch ein Ergebnis herbeigeführt werden, dass das Kollektiv weiter voranbringt.

Weitere Herausforderungen und Weltbilder, die bis zu Stockwerk Nummer acht noch nicht berücksichtigt werden können, werden der letzten aller Ebenen zugeordnet.

  • Koralle: Diese Ebene befindet sich noch in der Entwicklung und wird, auf Grund von weiteren Entwicklungen wie Digitalisierung, steigender Volatilität und Komplexität, den Ich-Fokus erneut in den Mittelpunkt stellen.

Die Passung macht‘s.

Anhand dieser kurzen Hausführung wird deutlich: Lebens- und Werte-Welten, als auch Herausforderungen mit individuellen Werte-Systemen bringen uns dazu bisherige Weltanschauungen zu überdenken, neue Denkweisen zu adaptieren und uns auf einem anderen Stockwerk einzufinden. Jeder Mensch entwickelt auf Basis dieser Informationen seine eigene Wahrnehmung der Realität und damit einhergehend eine individuelle Wertigkeit dieser. Diese kann von anderen Werte-Wahrnehmungen abweichen, ist jedoch zu jedem Zeitpunkt zu respektieren und wertzuschätzen. Denn sie hat, in dem Moment ihres Einsatzes, ihre absolute Existenzberechtigung. Und genau hier liegt der Schlüssel für erfolgreiche, werteorientierte Zusammenarbeit: es geht nicht darum die Treppe nach oben zu steigen oder sogar höhere Ebenen besser zu stellen. Das was zählt, ist die Passung des Wertes – in einer bestimmten Situation, für einen bestimmten Menschen. 

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Wunderbar!

Die einzigen Fragen, die nun für Dich offen bleiben sind: wie fange ich an? Und wo? Und vor allem mit wem? Kein Problem, wir helfen Dir gern dabei Euer „Haus der Werte“ aufzustellen und Euren Team-Wertestrukturen die Sichtbarkeit zu geben, die es benötigt um Euch voran zu bringen – als Team, als Projekt, als Unternehmen. Damit Teams am Ende des Tages wirklich zusammen passen, haben wir K?Mana? entwickelt – unsere künstliche Intelligenz, die Dich dabei unterstützt „Dein Team“ zu finden. Da dies keine triviale Angelegenheit ist und unser aller Arbeitsalltag mal Teams benötigt, die heterogen, mal homogen aufgestellt sind, berücksichtigt der Algorithmus bei der Zusammenstellung unterschiedlichste Faktoren. So analysiert er neben Persönlichkeitswerten, auch Rollenbilder und Kriterien zur Arbeitsweise. Auf diese Weise können einzelne Ausprägungen berücksichtigt werden, sodass es dann „einfach passt“.

Worauf wartest Du also noch? Lass‘ mal Euer Haus bauen.


Photo by Devin Avery on Unsplash

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